Achtsamkeit – Haltung und Instrument

Warum Achtsamkeit?

Achtsamkeit ist ein Modewort. Aber deshalb sind die sich hinter diesem Begriff verbergenden Konzepte (wie auch im Falle der unterschiedlich verwendeten Begriffe Yoga und Meditation) keineswegs nur kurzfristige Moden. Ganz im Gegenteil: sie werden z.T. seit über 2.000 Jahren praktiziert, heute sind ihre positiven Wirkungen und der Nutzen für die körperliche und geistige Gesundheit wissenschaftlich belegt.

Ich selber bin erst als Spätberufener mit Meditation und Achtsamkeit in Berührung gekommen:  als ich mit 40 Jahren (also vor inzwischen mehr als 14 Jahren) angefangen habe, Kampfkunst zu lernen und zu trainieren. Das mag als Motivation gelten – es ist nie zu spät für Veränderungen. 

Denn das ist das eigentliche Thema: „Veränderung“! Die Idee von Yoga, Meditation und Achtsamkeit ist, dass sie in Veränderungsprozessen begleiten sollen, z.B. auf dem Weg zur Befreiung von Blockaden oder – spirituell – zur Erleuchtung. Und bereits auf dem Weg geschehen Veränderungen …

Somit ist Achtsamkeit auch ein zentrales Thema meiner Arbeit als psychologischer Berater / Personal Coach (daher auch: strategieKONTOR | Strategien für Veränderungsprozesse).

Achtsamkeit im Kung Fu

Quan Dao Kung Fu ist ein Weg. Traditionell geht dieser Weg über das Erlernen von Kampftechniken hinaus und stellt den persönlichen Reifeprozess des Menschen in den Vordergrund (www.quandao.de). Kung Fu bedeutet „ständige Übung“, das stetige Bemühen, ein handlungsfähiger Mensch zu sein. 

Viele Menschen sind in ihrer Handlungsfähigkeit durch Blockierungen und ein festgefahrenes Denken eingeschränkt. Das Gefühl, das eigene Leben in die Hand nehmen zu können, ist verlorengegangen, und somit auch ein elementares Freiheitsgefühl. Das Thema Handlungsfreiheit berührt alte Themen, Muster, Einstellungen, Glaubenssätze….

Die Wirkung der achtsamkeitsbasierten Übungen des Kung Fu ist es, automatische Gedanken- und Gefühlsabläufe zu unterbrechen. Achtsamkeitsübungen ermöglichen es, an den Fähigkeiten zu arbeiten, im eigenen Leben – wieder – handeln zu können. Dazu gehören Klarheit und Entschlossenheit in der Bewegung und der Aufbau von Durchsetzungskraft. Zudem gehört dazu die Grundhaltung einer Offenheit für die Befreiung aus festgefrorenen Bewegungsmustern, die unser Bewusstsein beeinflussen.

Die alten Kampfkünste des Ostens gehen davon aus, dass es durch Übung gelingen kann, unser Energiesystem zu verfeinern, zu öffnen und Energie freizusetzen. Diese Freisetzung von Energie erreicht man durch äußerliche und innerliche Bewegung. Achtsamkeit ermöglicht es uns, Verantwortung für unser Dasein zu übernehmen, auf uns zu vertrauen und somit Authentizität zu gewinnen. Ein Leben in Selbstverantwortung ist die ökonomischste Haltung gegenüber der eigenen Energie und damit eine grundlegende Haltung der Kraft (nach Michael D.F. Schmidt: Quan Dao Grundübungen der Kraft; Neckarsulm 2010).

Wie hilft Achtsamkeit?

Achtsamkeit ermöglicht einen verbesserten Zugang zur Intuition, verstanden als spezifische Intelligenz unseres Körpers, die auf der gesammelten Körpererfahrung und Emotionsempfindung basiert. Das Aufspüren des Bauchgefühls versetzt uns in die Lage, intuitiv zu handeln. Das ist erwiesenermaßen eine gute (wenn auch nicht die einzige) Grundlage für gute Entscheidungsfindung. Intuitionen sind Entscheidungen, die wir in unserem Unbewussten oft bereits getroffen haben. Um zu diesen Erfahrungen – im Unbewussten – vordringen müssen wir über das Nachdenken und Assoziieren hinausgehen und dem Körper Raum für Atem und Ausdruck geben.

Achtsamkeit hilft uns im Umgang mit Emotionen: Sie kommen aus dem Nichts, Bauchgefühle können nicht hervorgerufen und auch nicht verhindert werden. Sie beruhen meist auf kaum wahrnehmbaren Hinweisen – hier kann Achtsamkeit helfen, ein Körpergefühl zu entwickeln, um unbewusste Impulse besser erkennen zu können („achtsam zu spüren“).

Achtsamkeitsmeditation scheint aktuell eine der ganz wenigen wirksamen Maßnahmen zur Bekämpfung von allgemeinen Sorgen, Beklemmungen und Druck beim Warten unter Unsicherheit zu sein (Kate Sweeny, Ph.D., Professor of Psychology, University of California, in: Psychologie heute; August 2020).

Die Achtsamkeitsübungen

Die Idee der Bewegung von Energie ist eine Grundlage des Quan Dao-Kung Fu. Übungen zur Bewegung von Energie dienen als Energiespender für den Alltag und zur Schärfung des Bewusstseins. 

Zunächst einmal dienen die Übungen der Befreiung von alten Strukturen und Mustern. Diese alten Prägungen finden sich sowohl im physischen Körper als auch in unseren Denkmustern und Glaubenssystemen. Das Prinzip des Leerens von alten Glaubenssätzen ist eine Grundlage vieler meditativer Techniken und Ansätze.

Achtsamkeitsmeditation als kognitiver Prozess unterstützt die kognitiven (Verhaltens-)Therapieansätze durch die Veränderung dysfunktionaler Einstellungen und Muster, negativer Angewohnheiten und Konditionierungen.

Wie in der Atem- und Bewegungslehre des Qi Gong bringen die Achtsamkeitsübungen Herz und Vorstellungskraft zusammen: Herz bedeutet, ganz bei der Sache zu sein, das, was ich tue, auch wirklich zu meinen und zu fühlen. Die Vorstellungskraft verbindet die Handlung mit der Aufgabe, der Situation, der Absicht oder dem Sinn, der geistig mit der Übung verbunden ist.

Wichtig zu betonen: Achtsamkeitsübungen ersetzten natürlich keine Psychotherapie oder eine auf andere Weise therapeutische Auflösung von Blockierungen, können diese aber sinnvoll und effektiv ergänzen.